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Orthopädie am Gürzenich
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Leistenschmerz / Schambeinentzündung

Ein Expertenbericht von Oliver Pütz in der Rubrik Basketball und Medizin im DBB Journal 2017

Kaum eine Erkrankung im Spitzen­sport stellt eine medizinische Abteilung vor eine größere Her­ausforderung als Beschwerden der Leiste beziehungsweise des Schambeins. Insbe­sondere Sportarten mit vielen Richtungs­wechseln sowie Scher- und Drehbewe­gungen wie zum Beispiel beim Basketball (Einbeinstand/Landung auf einem Bein) zeigen ein erhöhtes Risiko.

Die Gründe sind multifaktoriell. Außer einer Überbelastung gelten vor allem zu geringes sportartspezifisches Training, muskuläre Dysbalancen und Bewegungs­einschränkungen der Hüfte und des Knie­gelenks als Risikofaktoren. Des Weiteren führen zunehmende Trainingsintensität bei Jugendlichen im Übergang zum Seni­orenbereich und Instabilitäten, Fehlhal­tungen der Wirbelsäule zur Ausbildung einer Schambeinastreizung. Hier sind im Speziellen das Wirbelgleiten, skoliotische Achsabweichungen der Wirbelsäule und statische Fehlhaltungen im Bereich des Beckens zu nennen.

Der Beginn der sogenannten Symphysitis ist meist schleichend. Es fehlt ein adäqua­tes Trauma. Häufig werden zur Vermin­derung der Beschwerden Schmerzmittel eingenommen, was allerdings einen die Erkrankung kaschierenden Effekt hat Pro­blematisch ist, dass der Leistenschmerz aufgrund der komplexen anatomischen Begebenheiten vielerlei Ursachen haben kann. Somit müssen Pathologien in der Hüfte, Wirbelsäule sowie der Sehnen und Muskeln ausgeschlossen werden. Diagnostisch sollte hier, außer einer aus­führlichen klinischen Untersuchung, eine Kernspintomografie (MRT) durchgeführt werden.

Hier zeigt sich klassischerweise ein Ödem im Schambeinast. Das Ausmaß des Ödems gibt allerdings keinen Hinweis auf die vorhandene Schmerzintensität. So zeigen sich hier auch Ödeme bei MRT-Untersuchungen wegen anderer Erkran­kungen im Bereich der Hüfte, ohne dass der Athlet Beschwerden angibt Therapeutisch sollte zunächst eine Sportkarenz erfolgen, insbesondere die den Schmerz auslösenden Übungen sollten zunächst nicht mehr durchgeführt werden.

Zum Erhalt der Kondition dürfen aktive Trainingstherapien durchgeführt werden, die den Schmerz nicht auslösen. Es erfolgt eine aktive und passive physio­therapeutische Therapie (unter anderem Querfriktionen, Dehnungsübungen) gege­benenfalls mit osteopathischen Therapie­ansätzen. Insbesondere in Abhängigkeit der vorhandenen Defizite sollten Koor­dinationsübungen zur Stabilisierung der beckenumgebenden Muskulatur angelei­tet werden. Aus ärztlicher Sicht können zusätzlich eine Stoßwellentherapie und Injektionen mit regenerationsfördernden Mitteln wie zum Beispiel Traumeel und Lokalanästhetika erfolgen. Injektionen mit Glucose erscheinen ebenso vielverspre­chend. Operative Therapien sind in den seltens­ten Fällen notwendig und sollten erst nach ausführlicher konservativer Therapie durchgeführt werden, da auch hier die Ergebnisse nicht immer positiv sind.

DBB-Teamarzt Oliver Pütz, DBB Journal 55, 03/2017

 
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Orthopädie am Gürzenich Stadthaus am Gürzenich · Große Sandkaul 2 · 50667 Köln
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