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Orthopädie am Gürzenich
Orthopädie am Gürzenich

Die häufigsten Fußverletzungen im Sport

Im Rahmen seiner Referententätigkeit berichtet Dr. med. Guido Laps beim Symposium für Sportmedizin, München in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Prof. Dr. med. Jürgen Höher (Sportsclinic Cologne) über aktuelle konservative und operative Behandlungsstrategien

Dr. med. Guido Laps – Leitender Facharzt der Orthopädie am Gürzenich
Dr. med. Guido Laps, Fuß- und Sprunggelenkchirurgie

Moderner Lebensstil begünstigt Sportunfälle

Dadurch, dass die meisten Menschen heute beruflich viel sitzen und sich insgesamt weniger bewegen, auf der anderen Seite aber die Freizeit-, Extrem-, Ausdauer- und Profisportarten starken Zulauf haben und an Anforderung zunehmen, ergibt sich ein erhöhtes Sportverletzungsrisiko.

Die Fuß- und Sprunggelenkchirurgie hat sich in den letzten Jahren dieser Entwicklung angepasst und rasant weiterentwickelt. Akute Sportverletzungen und Probleme durch Überlastungen an Sprunggelenk und Fuß können heute in den meisten Fällen schnell und zuverlässig behandelt werden.

In unserer Praxis behandeln – und wenn notwendig operieren – wir sämtliche Sportverletzungen des Fuß- und Sprunggelenkbereiches. Wir behandeln:

Bandverletzungen des Sprunggelenkes

Über eine Million Knöchelverletzungen gibt es jährlich in Deutschland – gut 85 Prozent davon sind Außenbandrisse. Bandverletzungen zählen mit Überdehnungen, Teil- und Komplettrissen der Bänder zu den häufigsten Sportverletzungen. Im Alltag reicht oft schon ein Umknicken des Fußes, um die Bänder zu beschädigen.

Akut oder chronisch?

Bei Bandverletzungen unterscheidet die Medizin zwischen dem akuten Unfall und der chronischen Knöchelinstabilität. Letztere bedeutet eine langfristige Einschränkung in der Funktion und kann unbehandelt zu Spätschäden wie Arthrose führen.

Bandverletzung durch Umknicken

Beim Umknicken rutscht der Knöchel in leicht nach vorn gebeugter Fußstellung nach innen, was als Supinationstrauma bezeichnet wird. Dabei werden die Bänder überdehnt, in schweren Fällen können Gelenkkapsel und Bänder sogar teilweise oder ganz reißen. Abhängig vom Ausmaß der Verletzung gibt es verschiedene Schweregrade des Umknicktraumas.

Bei einem Drittel der Patienten mit Umknicktrauma kommt es im ersten Jahr nach dem Unfall zu wiederholten Bandverletzungen – bei Sportlern sogar bei bis zu 80%: Der geschädigte Bandapparat kann das Sprunggelenk einfach nicht mehr optimal stabilisieren. Akute Bandverletzungen heilen mit konservativer Therapie folgenlos, doch bei bis zu 40% der Betroffenen entsteht eine chronische Knöchelinstabilität.

Häufige Beschwerden

Nach dem Umknicken des Fußes leiden Betroffene unter Schmerzen, Schwellung und Bluterguss. Patienten mit chronischer Instabilität knicken regelmäßig um, oft schon bei ganz alltäglicher Belastung. Das liegt daran, dass sie im Sprunggelenk nicht mehr genügend Halt haben, vor allem beim Sport sind sie deshalb anfälliger für Bandverletzungen als andere.

"Nur" den Fuß verknackst? Schnelle Hilfe ist wichtig!
Ein Umknicktrauma ist keine Bagatelle. Um eine chronische Knöchelinstabilität und die Gefahr immer wieder umzuknicken zu vermeiden, ist eine rechtzeitige Behandlung wichtig.

Therapie

Die Therapie passen wir individuell an Ihre Situation an – je nach Schweregrad des Traumas, ihrem persönlichen Aktivitätslevel und eventuellen Begleitverletzungen ist ein anderer Maßnahmenkatalog sinnvoll. In den allermeisten Fällen reicht nach einer akuten Umknickverletzung eine konservative Therapie in Form einer (früh-)funktionellen Behandlung aus.

Konservative Therapie
Akute Verletzungen der Außenbänder ohne Begleitschäden können in der Regel sehr gut konservativ behandelt werden. Zunächst konzentrieren wir uns auf Ihre Schmerzlinderung, das Abschwellen und die Wundheilung. Das Gelenk mit passgenauen Orthesen, Bandagen oder Tape zu stabilisieren, ist meist effektiver, als es über längere Zeit ruhigzustellen.

Wir empfehlen außerdem ein Stabilisierungstraining, um Ihr ganzheitliches Bewegungsgefühl (propriozeptives Defizit) wiederherzustellen. Das ist wichtig für die Koordination. Warum es überhaupt zu einer Beeinträchtigung kommt, liegt daran, dass eine Knöchelverletzung Rezeptoren im Sprunggelenk zerstört, die die Wahrnehmung der Fuß- und Knöchelstellung sichern. Das Stabilisierungstraining regt die noch vorhandenen Rezeptoren an, die Arbeit der zerstörten Zellen zu übernehmen. Regelmäßiges Training ist wichtig, um eine dauerhafte Instabilität zu vermeiden!

Operative Therapie
Bei Begleitverletzungen wie Syndesmosenrisse, Sehnenverletzungen oder Knorpel-Knochenabscherungen des oberen Sprunggelenks kann eine Operation nötig sein.

Ein weiterer Operationsgrund ist, wenn trotz Stabilisationstraining eine anhaltende Knöchelinstabilität bestehen bleibt. In diesem Fall muss anhand der Gewebsqualität, und weiterer individueller Faktoren, wie das persönliche Aktivitätslevel etc. entschieden werden, welche Operationstechnik für Sie die Beste zur Rekonstruktion der Bänder ist.

Knorpelschäden des oberen Sprunggelenks

Wenn das Gehen läuft wie geschmiert, dann arbeiten Ihre Gelenke vorbildlich! Aber manchmal "hakt’s", und es treten Schmerzen und Beschwerden auf. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass die flexible Verbindung zweier Knochen beeinträchtigt ist – entweder durch umschriebene Knorpelschäden oder einen generalisierten Gelenkverschleiß (Arthrose). Was genau ist damit gemeint?

Reibungsloser Ablauf dank Knorpelgewebe
Gelenke verbinden stabile Knochen und ermöglichen so Bewegung. An den Stellen, an denen die Knochen aufeinander treffen, sind sie von Knorpelgewebe bedeckt, um ein direktes, schmerzhaftes Aufeinanderreiben zu verhindern.

Der Knorpel ist ein stabiles, elastisches Bindegewebe. Er besteht aus Knorpelzellen (Chondrozyten), die Kollagenfasern bilden. Diese vernetzten Fasern formen ein gefäßloses Stützgewebe und binden in ihren Zwischenräumen Wasser. So ermöglichen Knorpel im Gelenk Elastizität und verringern Druckbelastung.

Knorpelschäden – Beeinträchtigung der Gelenkschmiere
Häufigster Grund für Schäden am Gelenkknorpel im Bereich der Sprunggelenke ist ein Trauma. Dies kann einmalig und sehr heftig sein, jedoch können auch kleine, repetitive Überlastungen (Mikrotraumen) die Integrität des Knorpels zerstören, z.B. durch regelmäßiges Umknicken der Gelenkkapseln, Bänder.

Weitere Gründe sind biomechanische Fehlbelastungen und Achsabweichungen im Knöchelbereich, etwa als Folge eines ungünstig verheilten Bruchs. Auch genetische Ursachen sowie Entzündungen oder rheuma-tologische Erkrankungen schädigen den Gelenkknorpel.

Die Folge: Entzündungen, Schwellung und Schmerzen.

Die Osteochondrosis dissecans

Ein spezieller Knorpelschaden ist die sogenannte Osteochondrosis dissecans. Hierbei kommt es im Bereich des Sprungbeins (Talus) zu einer Durchblutungsstörung meist unbekannter Ursache. Im weiteren, meist stadienhaften Verlauf kann sich sogar ein Knorpel- Knochenfragment aus dem Knochenverbund ablösen. Als freier Gelenkkörper kann das sogenannte Dissekat (“Gelenkmaus”) das Sprunggelenk schädigen. Häufig sind sportliche Kinder und Jugendliche von dieser Beschwerdesymptomatik betroffen.

Im weiteren Verlauf kann die Erkrankung bis hin zur Sprunggelenksarthrose führen. Bei Früherkennung und angemessener Behandlung sind die Heilungschancen bei der Osteochondrosis dissesans am Sprungbein aber sehr gut.

Arthrose – Gelenkverschleiß

Bei einer Arthrose ist die Schädigung noch weiter fortgeschritten: Die Gelenke verschleißen überdurch-schnittlich, der Knorpel ist großflächig geschädigt.

Mögliche Folgen: Schmerzbeschwerden, Fehlstellungen, Instabilität oder eingeschränkte Beweglichkeit. Arthrose trifft am Fuß oft das obere Sprunggelenk, das Großzehengrundgelenk (Hallux rigidus) und die Fußwurzel- sowie Rückfußgelenke.
Häufige Beschwerden

Arthrose und Knorpelschäden beginnen oft harmlos, z. B. mit morgendlicher Steifigkeit oder Einlauf-schmerzen.

In späteren Stadien führt Arthrose, auch bei Schonung, zu Beschwerden im Alltag. Patienten leiden unter Schmerzen und Bewegungseinschränkung, was zu Muskelabbau, Achsfehlstellungen des Rückfußes, ein Zusammenziehen der Gelenke oder zur Instabilität des Kapsel-Band-Apparates führen kann.

Im Endstadium ist die Gelenkknorpelschicht aufgebraucht – die Knochen reiben ohne schützende Knorpelschicht aufeinander, was starke Schmerzen verursacht.

Um die Beschwerden und Einschränkungen zu reduzieren, sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen

Therapie

Die Behandlung von Arthrose und Knorpelschäden hängt vom individuellen Ausmaß der Erkrankung ab. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: die konservative Therapie (ohne Operation) sowie die operative Therapie.

Konservative Ansätze gegen den Schmerz

Eine konservative Therapie reduziert Schmerzen und Schwellungen und erhält die Beweglichkeit ohne operative Eingriffe. Zu ihr gehören die Einnahme schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, sowie Gelenkinjektionen mit z. B. Hyaloronsäure-, oder Eigenblutpräparaten (ACP).

Eine individuell abgestimmte Physiotherapie in Kombination mit regelmäßigen Eigenübungen sollte die Gelenkmobilität erhalten und ggf. gelenkübergreifende Muskulatur gelenkschonend aufbauen. Zusätzliche Verbesserungen des Gangbildes und des Abrollverhaltens nach vorangegangener Analyse können zu weiter Entlastung bei jedem einzelnen Schritt im Alltag führen.

Orthopädische Hilfsmittel, wie Einlagen, Schuhzurichtungen oder Maßschuhe können helfen, besonders bei Achsfehlstellungen des oberen Sprunggelenks den Fuß ideal zu „betten“ und somit die betroffenen Gelenke gezielt zu entlasten. Mit speziellen Bandagen, den Fuß-Sprunggelenkorthesen, wird das Gelenk stabilisiert oder seine Beweglichkeit im Endstadium einer Arthrose reduziert.

Operative Therapie bei Korpelläsionen und Arthrose

Wenn die konservative Therapie nicht mehr hilft, muss eine Operation in Erwägung gezogen werden. Hierbei gibt es drei unterschiedliche Prinzipien, die nachfolgend erläutert werden:

  1. Gelenkerhaltende Operation = arthroskopische Eingriffe
  2. Gelenkersetzende Operation = Prothese des oberen Sprunggelenks
  3. Gelenkversteifende Operation = Arthrodese des oberen Sprunggelenks

Wenn das Ausmaß des Knorpelschadens es zulässt, sollte wenn möglich immer zunächst gelenk-, bzw. funktionserhaltend therapiert werden

1. Arthroskopische Eingriffe – minimalinvasive Hilfe per Endoskop

Eine Spiegelung des oberen Sprunggelenks (Arthroskopie) kann im Frühstadium der Arthrose störende Schleimhautzotten, Narbenstränge, Kapselanteile, freie Gelenkkörper und knöcherne Ausziehungen entfernen und Schmerzen beseitigen. Davon profitiert oft auch die Gelenksbeweglichkeit.

Speziell bei umschriebenen Knorpelschäden jüngerer Patienten, wie z.B. der OD (Osteochondrosis dissecans) können im Rahmen des arthroskopischen Eingriffs auch verschiedene „knorpelchirurgische Aufbaumaßnahmen“ durchgeführt werden, um die Bildung eines knorpelartigen Ersatzgewebes zu stimulieren. Alter, Lokalisation, Größe des Defektes und auch das individuelle Aktivitätsniveau spielen bei der Wahl des jeweiligen Operationsverfahrens eine entscheidende Rolle.

Bei der Mikrofrakturierung wird der knöcherne Knorpeluntergrund bewusst verletzt, so das Stammzellen aus dem Knochenmark freigesetzt werden, im geschädigten Knorpelbereich ein Blutgerinnsel bilden und so eine Ersatzknorpelbildung angeregt wird.

Beim AMIC-Verfahren wird dieses Blutgerinnsel, der sogenannte Superclot, durch eine spezielle „Kollagenmembran“ abgedeckt und geschützt. Zusätzlich stimuliert das Implantat die Zellen auch zur Bildung von knorpelartigem Reparaturgewebe

2. Sprunggelenk-Prothese – das künstliche Gelenk

Bei der Prothese des oberen Sprunggelenks (OSG-Prothese) ersetzt eine künstliche Prothese das verschlissene Sprunggelenk. Eine Restbeweglichkeit des Gelenks kann erhalten werden, was die benachbarten Gelenke entlastet.

Eine Prothese ermöglicht ein natürlicheres Gangbild als eine Versteifung (s. u.). Die Resultate haben sich in den letzten Jahren durch immer erfahrenere Operateure und weiter entwickelte Prothesen deutlich verbessert.

Ein Nachteil der Methode gegenüber der Versteifung ist die unklare Lebensdauer des künstlichen Sprunggelenks. Folgeoperationen, etwa ein Prothesenwechsel, sind möglich.

Bei folgenden Krankheitsbildern ist der Einbau einer OSG-Prothese nicht möglich:
bei Arthrose infolge einer Nervenerkrankung, nicht ausgeheilter infektbedingter Arthrose, Durchblutungsstörungen des Beines, bei fehlendem Prothesenlager infolge ausgeprägten Knochenschwundes oder Knochentod, bei mangelnder Weichteildeckung und wenn durch erhebliche Gelenkverformung die Belastungsachse nicht auf die Prothesenachse eingestellt werden kann.

3. Arthrodese – Versteifung zur Schmerzlinderung

Eine Versteifung des oberen Sprunggelenks (OSG-Arthrodese) hebt dessen schmerzhafte Restbeweg-lichkeit durch gründliche Entknorpelung und anschließende Fixierung der beiden Knochenflächen aufeinander in korrekter Position auf und beseitigt so die Schmerzen. Achsfehlstellungen oder Gelenk-instabilitäten können zusammen mit der Arthrose behoben werden. Wir führen Gelenkversteifungen nur mit etablierten und modernsten Techniken und Implantaten aus.

Benachbarte Gelenke können den durch die Versteifung bedingten Bewegungsverlust zum Teil kompensieren. Jedoch kann es nach Jahren zu Anschlussarthrosen und Gelenkschmerzen kommen.

Dr. med. Guido Laps, Sportmediziner, Fußchirurg und Teamarzt TSV Bayer Dormagen Handball hält Vorträge im Rahmen seiner Referententätigkeit bei Fortbildungsveranstaltungen für Therapeutische Kollegen in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Prof. Dr. med. Jürgen Höher (Sportsclinic Cologne).

 
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Orthopädie am Gürzenich Stadthaus am Gürzenich · Große Sandkaul 2 · 50667 Köln
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